• Niger Army

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    Einmal Frauen am Brunnen in Tera, dann meine gefaehrliche Gang mit der ich durch Falwel gezogen bin, und Rosie in unserer Wohnung in Niamey.

  • Stadtguerilla Niamey

    So, nach langer Zeit ein Lebenszeichen, aber die meisten muessten ja wissen dass es uns gut geht und wir schaffen, schaffen, schaffen.
    Gestern war Tabaski, Hammelfest und vorgestern Nationalfeiertag, Zeit zum Ausruhen. Wir wohnen noch bei einer DED-Mitarbeiterin, ab 7.1. gehts in eine franzoesisches Gaestehaus. Ich schreibe eigentlich nur um dann ein paar Bilder unten ran zu haengen. Wenn es funktioniert, dann werdet ihr sehen wie ich fuer deutsche Kinder den Nikolaus spielte (dennoch bin ich weiterherhin ein gefaehrlicher Hooligan), wie Rosie vor ihrem Arbeitsplatz steht, wie ich/wir Befragungen in Tera (ca.170km NW von Niamey) unter den Bauern durchgefuehrt haben, dann noch so ein paar Eindruecke vom Dorf und der Stadt. Am Samstag fahren wir 600km nach Serkinhaoussa, dort muss ich wieder fuer ICRISAT Bauern nach ihrem Saatgutsystem befragen, dort verbingen wir dann auch Weihnachten und den Rest der Woche.
    An alle einen guten Rutsch ins neue Jahr und nehmt euch nur Sachen vor, die auch noch Aussicht darauf haben, Anfang Maerz zu bestehen!
    Bis dahin, Rosie und Frank

    Rosie vor der Bopforte
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  • Ouaga Bum Bum

    Gruesse aus der Hauptstadt Burkinas.
    Eine wirklich grossartige Stadt, mit ewig lachenden Menschen, ein riesiges Dorf, mit ueber einer Million Einwohner.
    Die Rastas scheinen mich auf Schritt und Tritt zu verfolgen, ich traf hier bereits zwei, die ebenfalls das Dorf Lassa nahe Bamako sowie den Gastgeber Balaski kannten und so sprangen sie beinahe vor Freude, als ich ihnen erzaehlte wie ich dort genaechtigt hatte.
    Die Schlepper hier sind bisweilen etwas nervig "Nein, ich moechte kein Batiktuch", "Danke, aber silberne Armreifen trage ich seit meinem Coming-Out nicht mehr." Aber nachdem sie kapiert haben, das nichts zu holen ist, quatschen sie weiter mit einem, wuenschen einen schoenen Tag und stuerzen lachend davon.
    Soeben war ich auf dem staubigen Busbahnhof und erstand dort fuer sagenhafte 15Euro eine Fahrkarte die mich in einem klimatisierten Bus bis nach Niamey bringen wird. Heute Nachmittag steht noch grossartiges auf dem Programm: Ein Spiel von Guinea-Bissau gegen Mali im Stadion Principal im Rahmen des Tournoi de l'integration. Der Eintritt ist angeblich frei, werde mir gleich noch auf dem Markt Leuchtraketen und Blitzknaller beschaffen und dann dort boese Randale anzetteln. Gestern sah ich in einer Kneipe bei einem kalten Flag-Bier das Spiel Senegal-Burkina (0:0) und es waren vielleicht 5000Mann im Stadion, das heisst das heute, wenn der Gastgeber nicht spielt, wahrscheinlich neben den Angehoerigen der Spieler nur ich da sein werde. Die Nationalmannschaft des Togo naechtigt uebrigens im Hotel gegenueber. Aber da Bachirou Salou nicht mehr spielt, kenne ich keinen.
    Hier sind es uebrigens um die 35°C und ich fuerchte es wird bald noch waermer werden.
    Bis bald

  • Bongo und Bobo

    Hey Ho,
    nach einer Woche habe ich nun mal wieder ein Internetcafe gefunden.
    Ich befinde mich in Bobo-Dioulasso, der zweitgroessten Stadt Burkina Fasos und habe in dem edlen Hotel Renaissance eingecheckt.
    Mit dem Fahrrad gab es ja schon in Nouakchott ein paar Probleme. Ich fuhr von dort aus noch die knapp 160km bis nach Boutilimit, doch die Felge war einfach muede, selbst Samba schien da nicht mehr viel machen zu koennen. Neben der Felge war jedoch auch Frank nach den 5 Tagen in Nouakchott etwas muede geworden und Frank sehnte sich einfach danach, Afrika zu sehen und nicht wie ein Bescheuerter bei ueber 40°C und Gegenwind mit gesenktem Kopf durch die Lande zu zotteln.
    Darum schlief ich am naechsten Tag aus, lief hinein nach Boutilimit und verkaufte dort mein Fahrrad nach einigem Gequatsche fuer knapp 70Euro. Danach brachten mich insgesamt drei Buschtaxis bis ins 400km entfernte Kiffa. Dort angekommen suchte ich mir einen Campingplatz, hing dort den gesamten naechsten Tag mit den Angestellten rum und traf am Abend einen im Kongo geborenen, in Benin lebenden, die franzoesische Staatsbuergerschaft besitzenden Rastamann und eine ca. 45jaehrige Fraenzoesin. Beide waren im Auto unterwegs und hatten sich in Nouakchott getroffen. Die Frau wollte nach Ouagadougou und der Bongoman, so sein Rastaname, nach Benin zu seiner Familie. Ich fragte sofort ob ich mitkommen kann - "Klar Mann, kein Problem, Selassie i Rastafari". Am naechsten Tag wollten wir das grauenhafte Mauretanien endlich verlassen haben. Besonders Bongo hatte enorm mit den vielen Nazibullen an den Polizeikontrollen zu tun. Mein Visum war erst in fuenf Tagen gueltig, deshalb war mir etwas mulmig zu Mute, doch sobald wir das Land des Verderbens hinter uns gelassen hatten, begann das wahre Afrika. Die malischen Grenzpolizisten waren freundlich, die Menschen laechelten, alles war auf einmal freundlich. Der Mauretanier laechelte dagegen nur beim Geldzaehlen (muss jetzt pauschalisieren, zum differenzieren fehlt mi die Zeit). Die Polizisten interessierte mein Visum auch nicht, die drueckten den Stempel rein, versuchten mir eine neben dem Haus angebundene Schildkroete zu verkaufen und wuenschten eine gute Fahrt.Das wird hier zu lang...hmm...drei Tage spaeter uebernachteten wir in einem Rastadorf in den Bergen Bamakos. Am naechsten Morgen tranken wir mit allen Kaffee, hoerten ihre Lieder an und die heftigen Diskussionen ueber Politik und alles Moegliche. Na eben, Bier habe ich auch wieder getrunken, jeden Tag seitdem ich aus Mauretanien raus bin. Ich schaue mir den ganzen Tag die Landschaft an, die Menschen sind trotz ihrer Armut unfassbar herzlich und freundlich und hilfbereit. Fuer Mali muss ich mir irgendwann nochmal mehr Zeit nehmen, morgen fahre ich dann mit der Franzoesin noch nach Ouagadougou, dort kann ich bei ihren Freunden uebernachten und ab 1.11. werde ich dann nach Niamey mit dem Bus aufbrechen.
    Gruesse an alle, in Ouaga habe ich mehr Zeit, doch hier in Bobo muss ich gleich essen und Flag-Bier trinken und vielleicht nach Castel-Bier trinken und das Leben auf den staubigen afrikanischen Strassen beobachten.

    P.S.

    An DeeDee: Am Ende kackt die Ente.

    An Kalle: Nukular.

  • It's submission what they want, it's surrender what they need

    Hier ist Frank und Frank befindet sich gerade in einem dunklen Internetcafe in Dakhla. Dakhla ist die letzte Stadt bevor es noch ein Stueck durch die Wueste und dann nach Mauretanien geht.
    Legenden erzaehlen von starken Winden aus Norden, die durch die Westsahara und Mauretanien wehen, und so geschah es denn auch. Wenn die Strassenbaukumpels nicht gerade bloede Kurven in die Wueste gebaut haben, die in definitiv falsche Richtungen fuehren, blaest es den ganzen Tag von hinten (zu dieser Formulierung wird Kalle einen Kommentar schreiben) was es mir ermoeglicht knapp 200km am Tag zu fahren.
    Auch wenn es meistens etwas oede ist, gibt es doch grossartige Momente. Wenn die Strasse an der Steilkueste entlang fuehrt und man hinaus auf den Atlantik schauen kann. Wenn Kamele vor einem die Strasse ueberqueren oder in der Ferne dumm rumstehen. Sandduenen die sich entlang der Strasse ziehen. Die Ruhe ist von allem das Schoenste, alle 10Minuten mal ein Auto, das hupt und winkt dann fuer gewoehnlich (Frank Beyer:"Autos koennen nicht winken!") und dann wieder nichts. Die Hitze ist durch das Meer absolut ertraeglich. Bis auf vorgestern, als ich hinter einem kleinen Berg in der Wueste zeltete, habe ich immer luxurioes in Hotels genaechtigt. Aber wenn ich nicht so schnell voran kommen wuerde und Gegenwind oder sonstwas haette, wuerde ich in der Wueste durchaus verrueckt werden. Man haelt so schon immer Strassenschilder in der Ferne fuer Menschen oder unbekannte Tiere und es kam tatsaechlich schon vor, dass ich ein kleines Gewaesser sah, und es auch fuer eins hielt, wo keines war. Gestern verfolgten mich nun zum erstenmal wilde Hunde. Fuenf an der Zahl, ausgewachsen und so gross wie Schaeferhunde. Kamen an einer kleinen Siedlung hinter der Mauerecke vorgeschossen, kuendigten sich gluecklicherweise durch proletarisches Gebelle an. Mein Ende bereits vor Augen, trat ich rein wie es nur ging und nachdem der besonders Ehrgeizige unter den Hunden schon bis 3 Meter an mein Hinterrad gelangt war, ging ihm bei 45kmh die Luft aus, er explodierte quasi auf der langen Geraden, und ich zog in aerodynamisch geschwungener Haltung von dannen. Danach war dann jedes Verkehrsschild ein wilder Hund und mein Kopf war reichlich beschaeftigt jeden Busch in der Umgebung auf moegliche Gefahren zu durchleuchten.
    In Mauretanien beginnt Afrika erst richtig, denn zur Zeit befinde ich mich noch im wohlhabenden Teil des Kontinents, also mal sehen was dann alles passiert (obwohl die Wueste Wueste bleiben wird). In Nouakchott penne ich dann in der Auberge Menata, in der auch Rosie genaechtigt hat und von dort aus stosse ich auf der "Strasse der Hoffnung" ins Landesinnere vor.
    Hoffe es geht allen in Leipzig und sonstwo gut. Melde mich dann aus Nouakchott in ca. sechs Tagen.

    Und fuer Sonntag gilt:

    WIR BRAUCHEN KEINEN BECKHAM, UND AUCH KEINEN ZIDANE... Uwe Chemiker haut die Dinger rein, 3:0, keine Chance fuer Blau-Gelb.

  • Stand up and fight

    Hey Ho,
    hier ist mal wieder Frank!
    Rosie will wohl heute erst ihre Sache sauber ueber die Buehne bringen, bevor sie hier etwas zum Besten gibt.
    Wo bin ich? In Taroundannt, ca. 60km oestlich der Kueste und noch zwei Tage bis Guelmin, was dass Tor zur Sahara sein soll. Bis dahin brauche ich definitiv noch eine Sonnenbrille.
    Vielleicht kurz was Allgemeines:
    Zu den Gefahren, ueber die ich vorher Millionen Zeilen las und mir Stunden den Schaedel zerbrach.
    Steine werfende Kinder: Unter den Kindern bin ich bisher der unangefochtene Held. Kein Kind hob bisher einen Stein auf, noch warf es ihn als ich naeher kam. Groesstenteils wird gerufen (Bonjour, Ca va?), gewunken und falls ein Fahrrad vorhanden ist, solange als moeglich im Windschatten gelutscht. Im Mittleren Atlas war es Mode, sich in einer Reihe aufzustellen, die Hand rauszuhalten und abzuklatschen. Vereinzelte Kinder ergreifen jedoch panisch die Flucht. Gestern trieb ich einen verzweifelten Jungen mehrere hundert Meter die Bergstrasse vor mir her. Rechts der Abhang, links die Felswand. Kein Moeglichkeit zu entkommen. Sein Fleisch war sehr zaeh.
    Zu den wilden Hunden, die Radfahrer in Massen anfallen: Hunde nehmen hier gewoehnlich keine Notiz von mir. Es begab sich, dass ein Hund bellte und erst dann das Weite suchte, aber von irgendeiner offensiven Handlung sind sie hier meilenweit entfernt. Heute sprang ein Hund sogar den Bergziegen hinterher, als er mich kommen sah.
    Zum Verkehr:
    Wohl am ehesten eine Gefahr. Die Hupe spielt hier eine wichtige Rolle. Manchmal muss man einfach von der Strass runter, wenn der LKW hinter einem nicht mehr aufhoert zu hupen. Das heisst dann, er hat keine Lust die Richtung auch nur geringfuegig zu aendern, und dem muss ich mich wohl oder uebel beugen. Dennoch empfinde ich den Verkehr nicht als gefaehrlicher als in Deutschland.

    Die gestrige Etappe war einfach der Hammer. Kein Verkehr, eine kleine Bergstrasse die sich am Abhang entlang hinauf windet. Natuerlich war Frank zu spaet losgefahren, daher ging 15km vor Ende die Sonne unter. Die Lampen, bzw. das oder der Dynamo funktionierten auf einmal auch nicht mehr. Also nahm ich meine Taschenlampe in die eine und den Lenker in die andere Hand, fuhr die Steigung hiunauf und leuchtete auf die Strasse um zu sehen wo diese endet und der Abhang (ungesichert, locker 500m ins Tal) beginnt. Ganz so gefaehrlich war es vielleicht doch nicht, aber hoert sich doch gut an. Ich kam auf 2093m Hoehe an, eine kleine Bude mit Licht, darin wahrscheinlich Opa, Vater und Sohn. Ich wurde zum Essen eingeladen, dann wurde mir mein Zimmer gezeigt und eine Kerze in jenem entzuendet und wenig spaeter duschte ich mit Eimer und Schoepftasse, aber warm. Grossartiger Sternenhimmel, schoener Blick ins Tal, so wird es auf den naechsten tausend Kilometern nur noch selten sein. Achso, und ich ass ein Berberomlett.

    So, und wenn nicht alles schief laeuft sind hier ein paar Fotos zu sehen:
    Hab vergessen zu erwaehnen, dass ich zwischen BeniMellal und Marrakesch eine wuestenaehnliche Gegend durchfuhr und dort meinen ersten Sandsturm erlebte. War ganz interessant, gutes Training, nur Scheisse ohne Sonnenbrille. Davon sind zwei Fotos und zwei vom gestrigen Aufstieg zum Tizi-n-Test.Photo 002Photo 003Photo 004Photo 005

    Ahoi

  • It's worth fighting for, fighting for victory

    Frank sendet Gruesse aus dem heissen El Keela, knapp 80 Kilometer vor Marrakesch.
    Die letzte Woche war aeusserst aufregend und neu. Vielleicht kurz die Geschichte vom Buergermeisterhaus in Souk-el-Rharb. Ich komme also nach qualvoller Fahrt, etwas mehr als hundert Kilometern bei unfassbarer Hitze in diesem doch etwas verschmutzten Ort an. In der Mitte eine Kreuzung, an dieser Kreuzung zwei Hotels, beide sehen nicht sehr einladend aus. Die Strassen voll mit Menschen die Hunger haben und aufgeregt sind. Ein paar kommen auf mich zu und quatschen mich an. Nein Danke, ich will nur ins Hotel. Ein juengerer Typ schlengelt sich durch die Meute, redet mich auf Englisch an. Ich solle hier wegkommen, er sei der Sohn des Buergermeisters, die Hotels sind nicht wirklich toll. Ich druecke mich etwas, bin skeptisch und willige ein wenigstens das Haus eine Strasse weiter anzugucken, in dem er mir anbietet zu schlafen. Er zeigt mir seinen Uniausweis von Ifrane, ich solle keine Angst haben und so weiter. Wir kommen an dem Haus an, grosses Eisentor, Mauer, davor ein aelterer mueder Mann auf einem Stuhl der uns die Tuer oeffnet. Ok, ein Wachmann, traegt zur Glaubwuerdigkeit bei. Die Villa ist riesig, zwei Etagen, grosse Zimmer. Seine Eltern leben hier meistens nicht, sondern in ihren anderen Haeusern, daher ist Platz frei. Wir quatschen ein wenig, ich dusche und ruhe mich etwas aus. Bald ist es halb sieben, der Muezzin legt los, alle duerfen essen, grosse Freude im Wohnzimmer, Freunde sind gekommen und Frank ist mittendrin und versteht kein Wort Arabisch. Zigaretten werden Kette geraucht, in der Nacht wird nachgeholt was am Tag versaeumt wurde. Nach dem Essen folgte dieses Programm: Mit lauter Musik zu siebent im Auto druch die Stadt fahren, an die Apotheke fahren um Kondome zu kaufen, dann in einen dunklen Hinterhof weit draussen fahren. Dort stiegen mein Gastgeber, sein Bruder und dessen Kumpel aus und gingen in den Puff. Danach steuerten wir ein Cafe an, es wurde Limonade bestellt und die harten Kerle spielten "Mensch-aergere-dich-nicht". Danach liefen wir zum Haus zurueck, der Fahrer war laengst abgehauen. Ich war muede, die Typen nervten. Es war halb zwoelf und ich legte mich in das geraeumige Zimmer, das mir spendiert worden war. Kurze Zeit spaeter klopfte mein Gastgeber, er trat ein, komischer Blick. Die Familie habe gerade angerufen, sie komme gleich, ich muesse mir ein Hotel suchen. Ich war leicht bestuerzt, kurz vor zwoelf, in dieser wirklich bisher unangenehmsten Stadt mit allem Sack und PAck noch rumlaufen. Nun gut, was soll ich machen, ich werde packen. Er leiss mich allein, ich hatte die Schnauze voll, handelte jedoch besonnen, ging ins anliegende Bad, steckte den Stoepsel ins Waschbecken und pinkelte hinein. Auf dem Weg nach unten klaute ich eine Schachtel Kippen, die ich spaeter in der Einfahrt zertrat. Aber vorher geleitete mich der Buergermeistersohn noch mit hinaus, sein Bruder entschuldigte sich, ich glaubte ihnen natuerlich kein Wort. Dann als ich meine Sachen aufs Rad gepackt hatte, sollte ich nochmal mit ins Haus kommen. Er kramte in irgendeiner Schublade und zog einen kleinen blauen Zettel raus. Auf dem stand, dass ich fuer Essen und Aufenthalt 380 Dihram bezahlen muesse. Darunter stand Frank, meinen Nachnamen wussten sie ja nicht und eine gekritzelte Unterschrift. Er erzaehlte, dass ich zu bezahlen haette, niemand hat ja gesagt, dass der Aufenthalt usw. kostenlos waere und hinten auf dem Zettel stuende sein Unternehmen. Ich drehte den Zettel um, da stand eine Nummer, dann "Farine" also Mehl und 50kg. Ich sagte ihm, dies sei kein Unternehmen, sondern ein Abholschein fuer 50Kilo Mehl und ich wuerde ueberhaupt nichts bezahlen. Dann muesse er die Polizei holen. Ok, dann hol die Polizei, sind ja eh meine Freunde hier. Er laeuft zu seinem Bruder, nimmt dessen Handy, drueckt bedroeppelt darauf herum und erklaert, die Polizei sei nicht zu erreichen aber er braeuche meinen Pass, dann wuerde er sich meinen Namen notieren und eben morgen mein Vergehen den Bullen melden. Nein, muss ich dir nicht geben. Er ist mittlerweile angepisst sagt ich soll gehen. Ich packe mein Zeug und gehe 100m zum naechsten Hotel, 5 Euro die Nacht, dafuer haben mir die Buergermeisterpenner Essen, Dusche und Getraenke spendiert. Ich habe mir einfach einfach ein paar Betrueger gesucht und diese ausgenommen, so wird es gemacht.
    Hab jetzt keine Zeit mehr, bin morgen in Marrakesch, da ueberarbeite ich nochmal. Mir gehts gut und Rosie in Bamako auch.

    Ahoi

  • Blumenkohl am Ramadan

    Ich habe eindeutig erfolgreich uebergesetzt!

    Ich stand heute morgen 6.30Uhr auf, packte meine Klamotten zusammen und stach in See. Es hatte die ganze Nacht gewittert, jetzt im Morgengrauen verzog sich alles etwas.
    Auf der Faehre lief alles glatt, ich sah Tanger langsam naeher kommen, von weitem erkannte man die Medina anhand der dicht aneinandergebauten Haeuser. Das erste Mal in Afrika und noch in Tanger, mein Tod wuerde langsam und qualvoll sein, keine Chance dem irgendwie zu entkommen.
    Ich stieg also von der Faehre, die Mannschaft wuenschte mir viel Erfolg und allerhand Spanisches. Das erste Tor: Zollkontrolle, im Hintergrund die pulsierende Stadt. Die dicken Touristen wanderten in den kleinen Raum um ihr Gepaeck durchleuchten zu lassen. Zwei Polizisten grinsten mich an, ich lief zu ihnen, fragte in perfektem Sorbonne-Franzoesisch ob ich da auch rein muesse. "Haben sie was zu verzollen?" - "4 Liter Wasser." - "Hahaha, Wasser..." Ein Eisentor wuerde geoeffnet und ich durfte gehen. Kurz darauf Gebruell, ein Polizist lief mit Trillerpfeife im Mund an mir vorbei, in der Ferne fluechteten zwei Jugendliche. Weiter Geschrei, die beiden wurden gestellt, Standpauke und raus aus dem Hafen.
    Polizisten (weil sie so nett waren, sage ich heute nicht Bullen)gruessten mich weiterhin, ich wehrte einige Schlepper erfolgreich ab und schon stand ich im ersten Kreisverkehr. Kurzum: der Verkehr war harmlos, die Fahrer ruecksichtsvoll, alles wunderbar ausgeschildert, keine Probleme weit und breit.
    Ich hatte mir ja vorgenommen, nicht in Tanger zu verharren, sondern erstmal ein Stueck zu fahren um die noetige mentale Ruhe zu gewinnen. Insgesamt war alles aufregend und faszinierend, neu eben und anders. Selbst der unfassbare Gegenwind war mir egal.
    Ich erlebte auf den 45km bereits bettelnde Kinder, die sich versuchten, mir in den Weg zu stellen und einen streunenden Hund dessen Bellen aber eher aus dem Mut der Verzweiflung geboren war.
    Der Campingplatz in Asilah, umgerechnet 3 Euro (30 DH). Frank beschloss duschen zu gehen. Frank faellt allerdings vorher ein, dass die Blase drueckt. Frank geht also zum Pinkelbecken, laesst laufen und merkt wie ein Wasserstrahl beide Fuesse trifft. Ein Scherzkecks hat das Rohr abmontiert, der Urin laueft in den freien Raum, keine schlechte Idee. Die Duschen waren etwas verschimmelt, aber alles irgendwie lustig und kein Problem.
    Habe mich dann erstmal im Zelt eingeschlossen um fernab fastender Muslime essen und trinken zu koennen.
    Nun gut, morgen wird dann richtig durchgestartet. Hab ja gar keine Ahnung wie das mit den Ueberschwemmungen in Mali und im Niger aussieht. Rosie wollte ja heute oder morgen in Bamako sein, mal sehen was sie so erzaehlt.

    Ahoi

  • Spanien ist besiegt!

    So, ich habe gewonnen, ganz eindeutig, hier sitzt der Sieger.
    Bin jetzt in Algeciras und werde im Morgengrauen die Faehre nach Tanger besteigen, dort werde ich mir ein kleines suesses (und billiges) Hotel suchen um dort dann zu schlafen und alles zu pflegen was in der letzten Zeit straeflich vernachlaessigt wurde.
    Schaue gerade aus dem Internetcafe direkt auf den Hafen. Die letzten Tage waren enorm anstrengend, ich wollte endlich ans Ende dieses Kontinents kommen und es hat ja auch geklappt.
    Algeciras ist wieder nervig und voll und irgendwie ist das immer etwas zu viel fuer die Nerven, wenn man gerade wie ein einsamer Wanderer aus den Bergen hinab ins Tal gestiegen ist. Aber Tanger hat etwas Geheimnisvolles schon im Namen und waehrend der zweistuendigen Ueberfahrt nach Marokko werde ich Delphine streicheln und Rochen fuettern und ab und zu meinen Hut abnehmen um etwas Sonne an mein schuetteres Haupthaar gelangen zu lassen.
    Ich merke gerade, dass ich in einem marokkanischen Internetcafe sitzte, vielleicht sollte ich ja zarte Bande knuepfen. Ich werde mir erstmal was zu essen holen und dann noch ein paar Fotos anfuegen.

    Ahoi

  • Wer nicht huepft...

    Hola,
    am Ende dieses anstrengenden Tages wendet sich doch noch alles zum Guten.
    Obwohl, ich gebe erstmal ein wenig an:
    Ich bin heute den 30.Tag unterwegs, davon bin ich 27 Tage Rad gefahren, habe knapp 2950km zurueckgelegt, sass dabei ungefaehr 175 Stunden im Sattel und habe insgesamt fast 23000 Hoehenmeter ueberwunden (ich bin fast drei Mal den Mount Everest vom Meer aus raufgefahren).
    Und wo wir gerade dabei sind: Gestern durchfuhr ich eine kleine Ortschaft noerdlich von Ubeda. Die Hauptstrasse war abgesperrt, hunderte Menschen auf der Strasse in den Cafés, ein paar Schiessbuden. Ich umfahre die Absperrung, grinse einen Typen von der Guarda Civil bloed an, und mache mich auf den Weg durch das Getuemmel. Auf einmal erhebt sich ein muskuloeser Kerl aus seinem Stuhl und beginnt mit ernster Miene zu applaudieren. Wenige Sekunden spaeter stehen ca. 300 Menschen an ihren Tischen und klatschen und rufen mir zu. Ein grossartiges Gefuehl. Hierher waren also die ganzen grossartigen Spanier gefluechtet, die sie von der Kueste vertrieben hatten. Ja, dies war mein kleiner Landstrich, hier wuerde ich immer wieder aufgenommen werden. Hier liebte man mich. Uebrigens lag dieser Ort, wie viele Orte dieses Tages auf der Route des Don Quijote. Meine Windmuehlen sind die Arschlochberge, nur das ich gewinne.
    So, genug davon, ein bissschen (ha, SSS) Angeberei muss ja mal erlaubt sein.
    Heute morgen versuchte mich der Hoteltyp um mein schwer verdientes Geld zu bringen. Wollte einfach zehn Euro mehr, als am Abend vorher ausgemacht. Ich sagte ihm Nein und blablabla, dann verschwand er wilde Flueche ausstossend in seine kleine Kammer, fluchte dort noch etwas weiter, es krachte kurz und gleich darauf gab er mir auch noch meine restlichen zehn Euro des Wechselgeldes.
    Desweiteren traf ich heute die hinterhaeltige Defekthexe das erste Mal. Sie wollte Tribut, fuer 3000km problemfreie Fahrt. Ich entgegnete ihr sie solle doch die boesen Lokisten behelligen und ihnen Rahmen und Speiche waehrend rasanter Abfahrt brechen. Wir einigten uns darauf, dass ich den Buegel meiner Sonnenbrille entzweie und sie dafuer Rosie und mich fuer den Rest der Reise in Frieden laesst. Hoffentlich haelt sie sich dran.
    Vielleicht noch was zu Spanien:
    Die Strassen sind zum groessten Teil in wirklich grossartigem Zustand, guter Belag und ausserdem auf allen etwas groesseren Strassen genug Platz rechts neben der weissen Linie (weiss jetzt nicht wie ich das sonst nennen soll, gibt bestimmt ein einfaches Wort dafuer) um halbwegs unbehelligt vom Verkehr voran zu kommen. Aber zum Fahrradfahren ist das Land dennoch irgendwie ungeeignet. Bei aller Faszination fuer das Fahren in bergigem Gelaende (diese Faszination existiert z.Zt. definitiv nicht), ist es doch etwas nervig, wenn man entweder bergauf keucht oder bergab einfach laufen laesst. Bis auf das Gebiet um Albacete, wo ich vielleicht 100km in topfebenem Gebiet fuhr, konnte ich nie einfach mal fahren. Ja, ich weiss, Heul doch. Ich beschwer mich ja nicht, ich sag's nur.
    Noch kurz was zum heutigen Tag: Es war eine Schweinehitze, Terrain wie gerade beschrieben und mal wieder etwas mehr Verkehr, dazu noch extrem schwere Beine. Also ich hoffe ja mal Dienstag oder Mittwoch in Algeciras zu sein um dann endlich Tanger zu erreichen. Dort werde ich dann wie William S.Burroughs (also wie William S.Burroughs nur ohne Schwulsein) meinen Kaffee schluerfen und der heimischen Bevoelkerung beim Fasten zuschauen.
    Und jetze noch was zur kleinen suessen Rosie:
    Sie befindet sich gerade 100km vor der mauretanischen Grenze, will morgen dann ganz abgekocht die Grenzer schmieren und bis nach Nouakchott, der Hauptstadt von Mauretanien, durchfahren. Das wird sie aber sich morgen alles detailliert schreiben: NICHT WAHR?!

    Ach so, ich bin gerade in Jaen, eine groessere Stadt, nervig und eindeutig nicht fuer einzelne Fahrradreisende mit schwerem Gepaeck gemacht. Aber die Leute sind nett.

    Ahoi, spaetestens bis Algeciras

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